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Eine Substanz, die bei einem gesunden Menschen
vorübergehend einen Krankheitszustand hervorrufen kann, ist in der Lage, einen ähnlichen echten
Krankheitszustand zu heilen.
Angeregt
durch einen Artikel über die heilende Wirkung von Chinarinde
bei Malaria nahm Hahnemann das Arzneimittel China über einen
bestimmten Zeitraum in kleinen Mengen regelmäßig zu sich
und bekam daraufhin Symptome, wie er sie von Malaria her kannte,
allerdings ohne Fieber, denn er hatte die Krankheit ja nicht. Die
malaria-ähnlichen Symptome dauerten 2-3 Stunden an und erschienen
jedesmal, wenn er die Einnahme wiederholte, sonst blieben sie aus.
Hahnemann
schloß daraus, dass die heilende Wirkung dieser Chinarinde
bei Malaria auf die Symptomenähnlichkeit zurückzuführen
war. Bei einem Patienten mit schwerem chronischen Brechdurchfall,
kaltem Schweiß und kollapsähnlichem Zustand, der seit
Jahren von den damaligen Ärzten erfolglos behandelt wurde,
unternahm er den ersten erfolgreichen therapeutischen Versuch, der
zur vollständigen Heilung des Mannes führte.
Daraufhin
begann Hahnemann, eine ganze Reihe von wissenschaftlich dokumentierten
Arzneimittelprüfungen durchzuführen.
Durch
diese Prüfungen und die Anwendung der jeweiligen Arzneien beim
Kranken wurde ihm schließlich klar, dass ein sinnvoller therapeutischer
Weg nicht darin bestehen kann, Krankheitssymptome durch gegensätzliche
Maßnahmen zu unterdrücken, wie es häufig in der
Schulmedizin praktiziert wird.
Hier
gibt man beruhigende Arzneien bei Schlafstörungen, fiebersenkende
Mittel bei infektiösen Krankheiten, Cortison bei Hautausschlägen
usw.
Hahnemann
dagegen fand während seiner Arbeit immer stärker bestätigt,
dass der Kranke einen therapeutischen Reiz braucht, der stark genug
ist, die natürlichen Heilkräfte zu fördern. Dies
gelingt, indem er das Arzneimittel erhält, das beim Gesunden
ähnliche Symptome hervorruft. Nur aufgrund seiner Ähnlichkeit
mit den Symptomen des Kranken kann das Mittel den erkrankten Organismus
erreichen und den Heilungsprozeß anregen.
Die
Ähnlichkeitsregel ist zum Fundament der Homöopathie geworden.
Heute weiss man, dass Krankheitssymptome nicht die Krankheit selbst
sind, sondern Reaktionen auf Störursachen, die anzeigen,
dass der Mensch als Einheit bereits im Begriff ist, selbsttätig
sein Gleichgewicht wiederherzustellen.
Mit
dem ähnlichen Arzneimittel wird der Organismus dabei unterstützt.
Homöopathie
kann also als aktive Hilfe zur Selbsthilfe des Körpers, der
Psyche und des Geistes verstanden werden.

Arzneimittelbilder
Als
Homöopathin muss ich natürlich jedes Arzneimittel genau
kennen und wissen, was es auslöst, um es dann mit den Symptomen
des jeweiligen kranken Menschen zu vergleichen. Ähneln sich
die beiden Symptomenbilder, wird diese eine Arznei in der Lage sein,
diesem einen Patienten zu helfen.
Hahnemann
hat vor ca. 200 Jahren die Ergebnisse seiner Forschung in der Allgemeinen
Arznemittellehre und in seinem Organon festgehalten. Heute gibt es sehr umfangreiche
Werke, die weitere Ergebnisse von Arzneimittelprüfungen als
sogenannte "Arzneimittelbilder" beschreiben. Das Organon gehört
allerdings in unveränderter Form zum
Standardhandwerkszeug eines jeden Klassischen Homöopathen.

Repertorien
Nach
einer Anamnese, also der Fallaufnahme, werden die wesentlichen Symptome
ausgewählt und nach bestimmten Regeln geordnet.
Hierzu
greife ich zu einem der Repertorien, die eine Auflistung von 10.000
bis 20.000 Symptomen mit allen derzeit bekannten Mitteln enthalten.
Zum
Repertorisieren wählte ich nun aus der Gesamtheit der aufgenommenen
Symptome des Kranken die charakteristischen und deutlichsten aus
und ordne sie nach bestimmten Kriterien. Die Mittel, die bei den
wichtigsten Symptomen vertreten sind, kommen in die engere Wahl.
Hier
erkennt man, dass ein Verordnen nach Diagnosen (z. B. Erkältung,
Fieber, Asthma, Heuschnupfen, Ekzem usw.) eben nicht homöopathisch
ist.

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